Das Zeichen der Zeit für Leute mit Durchblick

History


Es war einmal...

1983-Weihnachtszeit Auf der Geburtstagsfeier meiner Oma komme ich mit einem meiner Cousins ins Gespräch. Als ich Ihm erzähle, daß ich in der Schule Klassenfeten als DJ zum kochen bringe wurde ich noch etwas belächelt. Er bringt mich also ein paar Tage später in den „Club“ auf der Reichenbacher Straße in Zwickau um mir zu zeigen wie es ist vor „richtigem“ Publikum zu spielen. Die Silvestermugge dort habe ich schon eingelegt. Häää?!? EINGELEGT???


                                          
                                        Anfangs quälte ich mich mit "ORWO"-Kassetten,
                                         später verbesserte sich die Qualität deutlich
                                                     mit Kassetten von BASF, maxell, TDK, SONY u.s.w.
                                                     Mein Kumpel Jens brachte mir einmal in tiefen
                                                DDR-Zeiten 20 "Westkassetten" aus Wiesbaden mit.
                                                 Das war damals DER HAMMER!!! Mal abgesehen von
                                                  dem großen Wert (ca. 1000 DDR-Mark!!!) war es
                                          dazumal das beste Geschenk was ich bekommen konnte!
                                                        Jens, das vergess ich wohl nie !!
                                             

Ja– damals wurden keine Platten aufgelegt, sondern Audiokassetten eingelegt. Angesichts der heutigen Möglichkeiten unvorstellbar. Auch die Musikanlage war aus heutiger Sicht eher nicht so dolle:


                                    
             links der damalige Verstärker,                  rechts das Komplette "System"


Zwei mal 50 Watt Sinus– natürlich Mono mußten schon reichen. Wir schafften es damals trotzdem irgendwie das Ohrensausen für die Nacht hinzubekommen... Wir– das waren damals Mein Kumpel „Schnuffi“ und
Ich– damals schon unter dem Namen „DIE bunte DISCOTHEK“. Hallo Schnuffi– wenn Du das lesen solltest– meld Dich mal wieder!


               Der gute alte "Club" kurz vor dem Abriss 2003  
               Der "Club" 2003, kurz vor dem Abriss 



Noch ein paar Jahre zuvor wurde der Begriff „bunte“ geprägt. Der Name „DIE bunte DISCOTHEK“ war ursprünglich keine Bezeichnung für eine rollende Discothek, sondern für eine Art „Radiosendung“ welche ich mit  meinen Kumpel „Gurke“ auf  Audiocassette gebannt hatte. Die Idee zu diesem intergalaktischen Blödsinn kam uns anlässlich eines Kegelabends unserer Eltern. Wir setzten uns nicht einfach vor die Glotze und sahen fern. In Anbetracht der Tatsache, daß es damals nur 4 TV-Sender bis zum Schwarzweißfernseher in unsere Wohnstube schafften, mußten wir einfach kreativ werden. Mit einem 70er-Jahre Kassettenrecorder („ATACASSETTE“!!!!)

"ATAKASSETTE"
ATACASSETTE

und einem dazugehörigen Mikrofon bewaffnet machten wir eine Sendung die sich gewaschen hatte. Mit Nachrichten, Werbung, Musikschnipseln, Sport usw. Im Hintergrund lief der TV-Apparat mit der Sendung „Ein Kessel Buntes“ Als wir dann einen Namen für die Sendung suchten war es erst „Buntes“. In späteren Folgen (Wir „produzierten“ teilweise wöchentlich) war dann die „bunte“ geboren. Leider existiert von diesen Sendungen heute wahrscheinlich keine mehr. Wir haben damals außer uns selbst leider kaum „Hörer“ gehabt. Wir haben aber sehr oft Tränen gelacht. Einfach geile Zeit damals! Später stieg dann noch „Gipsy“ ins Produktionsteam ein. Von da kam die Sendung entweder aus Studio 61, 66 – oder Studio 136. Die jeweils sendefreien Studios wurden immer „gerade renoviert"...




   
    2.v.l. Ich, 3.v.l. "Gurke" Im Stenner Kulturhaus


                                                  

                                      "Gurke" Jörg in diesen Tagen. Grüß Dich, alte Flaad!


Zurück zum „Club“. Dieser wurde leider 1986 dicht gemacht. Der damalige Trägerbetrieb VEB Grubenlampe hatte wohl kein Interesse mehr an uns Querulanten. Danach kam meine schöne Zeit mit der Rollenden Discothek „Conection“.

                        

                   Um bei Kontrollen auf der sicheren Seite zu stehen,
                                         bedurfte es einer
                                staatlichen Spielerlaubnis für Disco-Techniker.
               Diese gab es ohne besondere Prüfung,
                                     man war aber an seinen Stamm-DJ gebunden.
                         Man beachte die satte Vergütung von 30,- Mark der DDR !


Mit Klaus (Der vollst. Name ist der Redaktion bekannt) tourte ich hauptsächlich durch die Bezirke Gorlmorxstodt und Gera. In Zwickau und Umgebung tauchten wir dabei natürlich auch öfters auf.
Ich denke da z.B. an Zwickau‘s Neue Welt, das jetzige Cafe „Na Und“ in Wilkau-Haßlau, der unvergessene Club in Schedewitz, die Mocc oder natürlich das legendäre Stenner Kuturhaus.


1988 machte ich dann selbst einen Lehrgang mit anschließender Prüfung zum „Staatlich anerkannten Schallplattenunterhalter". Au weia! Aus heutiger Sicht voll peinlich. Die praktische Prüfung in Karl-Marx-Stadt sah in etwa so aus: Eine dreiviertel Stunde Mugge machen, vor 3 Zuschauern. Und das mit vollem Einsatz. Nach der abgelaufenen Prüfung folgender Kommentar: „Musik und Ansagen entsprachen der Vorstellung der Kommission, aber Ihre Kleidung entspricht nicht der eines sozialistischen Schallplattenunterhalters.“ (Ich trug doch tatsächlich eine Jeansjacke aus‘m Intershop).


 

Was für ein Kampf bis dahin !


Na gut - 4 Wochen später neue Prüfung  in angemessener Kleidung, und nach noch einer Prüfung mit echtem (von mir „gekauftem“) Publikum und 60/40–Musik hatte ich meine Lizenz in der Tasche. Mann war ich stolz....




Meine erste richtige Lizenz - April 1989 - Wahnsinn !!





Meine erste richtige Visitenkarte - mit sowas warste schon was...


Nach der politischen Wende wurde es ziemlich ruhig um "DIE bunte DISCOTHEK". Nach ein paar Jahren "ruppte" es mich aber wieder. Meine in der Zwischenzeit gewaltig gewachsene CD-Sammlung verlangte nach Hörern. Ja und da steh ich wieder, auf den Brettern "die das Geld bedeuten". Apropos Geld, schön wenn man für sein Hobby Geld bekommt, zum "reichwerden" langt es leider noch nicht.

 
Text unter dem Design